Pressemitteilungen

 

Das Schicksal der Familie Mayer-Böhm steht hier stellvertretend für viele Bewohner an der Elbe. Es ist aber auch ein Beispiel dafür, wie gleichgültig Makler mit den Erwartungen ihrer Kunden umgehen. Nach meinen Informationen war vielen Häuslebauern an der Elbe eingeredet wurden,  "...hier kam kein Wasser hin...". Ich kann, da selbst erlebt und dokumentiert, im Jahr 2002 den Beweis antreten, das auf dem späteren Grund und Boden eben auch der Familie Mayer-Böhm bereits im Jahr 2002 (Jahrhundertflut), dieser Bereich unter Wasser stand. Um so ungläubig sahen wir in den Folgejahren eine rege Bautätigkeit eben gerade in diesem Bereich. Unverantwortlich auch von den Bauaufsichtsbehörden, hier eine Baugenehmigung zu erteilen.

         

                                                   Volksstimme Magdeburg vom 15. Juni 2013, Seite 16

                                                   

Die Volksstimme bat nun auch den Leiter des städtischen Katastrophenstabes, Holger Platz um Stellungnahme auf sieben Fragen. Nachzulesen im Artikel: "Katastrophenstab war über Gefahr im Bilde". Meine persönliche Meinung: unqualifizierter geht kaum noch! Da platzt einem doch der Kragen bei der Schilderung des Herrn Platz. Konsequenz: eigentlich Platzverweis! Die Aussage, das der Hausverwalter von Post & Energie die angebliche Information "...an die anderen weitergibt. Das hat er getan!" ist eine glatte Lüge! Wenn dem so gewesen wäre, hätten wir ja am Mittwoch, spätestens jedoch am Donnerstag eine entsprechende Information erhalten müssen! Dann noch zu behaupten, Zitat:"Die mit Hilfe vieler Anwohner vorgenommenen Verbaumaßnahmen konnten aber angesichts des tatsächlich eingetretenen Pegelstandes nicht erfolgreich sein,..." ist dreist! Seit Dienstag wiesen wir in Telefonaten darauf hin, das man endlich beginnen möge, Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen und bekamen die Antwort, das wir kein Wasser abbekommen. Die Hinweise zur Situation 2002 interessierte nicht. Also ist der Hausmeister der Schuldige - er hat uns nicht informiert!  

         

 

Dann erfahre ich aus der Volksstimme, das bereits am 24.06.2013 im Rathaus eine Veranstaltung stattfand, die sich eben mit unseren Problemen beschäftigte und neben den Stadträten auch interessierte Bürger zugelassen waren. Tolles Informationsmanagement, eben platzartig! 

 

                                   

                                        

 

 


Jahrhundertflut 2013 - Magdeburg steht unter Wasser

Tränen und Wut in Magdeburg: Die Straßen laufen voll mit Wasser, Bürger eines Stadtteils sollen ihre Häuser verlassen. Dabei behauptete der Oberbürgermeister zuletzt noch, Magdeburg sei sicher. Die Sonne scheint, in einem Garten mäht ein Mann das meterhohe Gras - fast wirkt die Szene idyllisch. Doch auf der Straße neben dem Garten reihen sich die Feuerwehrautos, einige Meter entfernt sehen die Straßen wie Flüsse aus. Das Hochwasser der Elbe hat den Magdeburger Stadtteil Rothensee erreicht. Die Stadt hat am Abend die Räumung angeordnet, über Facebook, Radio und Fernsehen laufen die Aufforderungen an die Bürger, ihre Häuser zu verlassen. Später sollten auch noch Lautsprecherwagen die Bürger informieren. Doch viele von den Bewohnern denken nicht daran zu gehen: "Wir bleiben hier, hundert Prozent", sagt etwa Jürgen Sterzing.

"Wir wollen keine Panik machen"

Er ist sauer. Den Frust bekommt vor allem Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ab: "Vor zwei Tagen hat er noch gesagt, Magdeburg ist sicher", schimpft auch Wolf Thiele auf Trümper. Der hätte die Bürger eher warnen müssen, meint Thiele.
Dabei sagt Trümper auch am Samstagabend noch: "Wir wollen keine Panik machen." Menschenleben seien derzeit nicht in Gefahr. Aber die Leute sollten so schnell wie möglich ihre Häuser verlassen. Sie müssten sich darauf einrichten, etwa eine Woche anderswo unterzukommen. Nach einigen Kurzschlussbränden in Verteilerkästen in den Häusern ist der Strom aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden. Auch andere Ortsteile sind von der Räumung bedroht. Eine Flutwelle werde es aber nicht geben.

Wasser steht schon bis zur Hüfte

"Wir bleiben hier. Vor zwei Tagen wurde noch jede Gefahr abgewiegelt", ärgert sich auch Heinz-Herbert Ramisch. Gemeinsam mit seiner Frau Doris und einem Nachbarn hat er Waschmaschine und Gefriertruhe aus dem Keller nach oben gewuchtet. "Die Heizung wird wohl hin sein", befürchtet er. In manchen Kellern steht das Wasser in Rothensee schon bis zur Hüfte. Andere schätzen die Lage anders ein. Eine Familie mit drei Kindern hetzt mit Koffern und einem Käfig mit Wellensittichen zu ihrem Auto - keine Zeit für ein Gespräch. An einigen Straßenecken wuchten die Menschen nach wie vor Sandsäcke übereinander. "Na, ob das noch hilft, es ist die Not der Verzweiflung", sagt Thiele. Eine Frau weint: "Am Freitag mussten wir aus Randau raus und sind hierher zu unseren Kindern. Nun müssen wir hier auch weg." Auch Anke Söchting will auf jeden Fall ihre Wohnung verlassen. "Ich habe eine Tochter, da hat man Verantwortung", sagt die Frau.

Quelle: 08.06.2013 | 23:46 Uhr mei, DPA


Anmerkung:     Sicherlich sind sehr viele Bürgerinnen und Bürger, wir auch, stinksauer auf den OB. Letztendlich verkündete er Nachrichten, die durch die Praxis ad absurdum geführt wurden. Nun muss man aber auch die Frage stellen, welche sogenannten "Experten" beraten den OB? Wie kann man trotz besseres Wissen Meldungen verbreiten, die der tatsächlichen Lage nun überhaupt nicht mehr entsprechen. Scheibchenweise zugeben, das die Elbe nun noch um einige Zentimeter steigt, und dann wieder usw.; das verunsicherte die Bevölkerung und daraus entstand diese verständliche Wut.        

                                      


Neue Lagerkämpfe um die alte Frage nach den richtigen Wegen beim Hochwasserschutz

Quelle: Volksstimme vom 08.07.2013

Von Katja Tessnow

Die Flut und was aus ihr folgen muss: Nach dem Dank scheiden sich die Geister

Magdeburg l In seiner ersten Sitzung nach der Elbeflut befasste sich der Stadtrat mit dem Junihochwasser und der Frage nach den Konsequenzen aus dem Katastrophenfall. Der Elbewelle folgen harte Auseinandersetzungen um den Hochwasserschutz.

Eine "gute Diskussionsbasis" nennt Burkhard Lischka (SPD) den 10-Punkte-Plan seines Parteifreundes und Oberbürgermeisters Lutz Trümper zu ersten Konsequenzen aus der Juniflut und erkennt gleichwohl: "Das ein oder andere Mal werden wir uns nicht einig sein." Im Kern bewegt sich der Dissens der Lager um die alte Frage nach der Gewichtung zwischen technischem (Deiche, Mauern, Wehre, Wälle) und natürlichem Hochwasserschutz (Abflussflächen, Bebauungsstopps etc.). Es wird kein Zufall sein, dass Lischka in seinem Redebeitrag unerwähnt ließ, wie seine eigene Fraktion eigentlich zur vom OB geforderten Herauslösung von Alter Elbe und Umflut aus dem europäischen Naturschutzprogramm Flora-Fauna-Habitat (FFH) steht, während sich Christdemokraten und Liberale sogleich entschieden an die Seite von Trümper stellten: "Umweltschutz ist ohne Zweifel wichtig, aber für mich geht im Zweifelsfall der Schutz der Bürger vor Artenschutz", so CDU-Fraktionschef Wigbert Schwenke. Indes schlugen nicht nur die Grünen, sondern auch die Fraktion von Linke/Tierschutzpartei - sie hatte die Debatte zum Thema beantragt - kritische Töne an.

Frank Theile (Linke) verwahrte sich für seine Fraktion "entschieden" gegen eine vorschnelle Herausnahme von Alter Elbe, Zollelbe und Umflutkanal aus dem Schutzprogramm. Im Gegenteil sei es gut für den Hochwasserschutz, wenn zum Beispiel bauliche Maßnahmen in bzw. an der Schutzzone erschwert würden. Die Grünen sehen das politisch folgerichtig ebenso.

Debatte um Baum, Busch und Beton auf dem Wasserweg

Die jüngste Auseinandersetzung um die Gestalt der neuen Strombrückenverlängerung hatte eben mit Auflagen aus dem Schutzprogramm zu tun, die den Bau auf Pfeilern eigentlich nicht zuließen. Die Stadt kaufte sich mit einem Ausgleichsvorhaben in Prester vom Pfeilerverbot frei, weil sie - so war es zumindest vor der Flut Mehrheitsmeinung - die Mehrkosten für die freischwebende Bauvariante mit Pylon scheute. Inzwischen schwenkt selbst Trümper vorsichtig auf eine Neueröffnung der Debatte ein, weil das Wasser besser fließen kann, wo keine Pfeiler im Wege stehen. Allerdings auch da, wo keine Sträucher und Bäume wuchern, wie im Bett der Alten Elbe, von dessen Versandung zu schweigen. Baggern und Motorsägen widersetzt sich aber wiederum der Naturschutz. Der BUND stoppte anno 2007 Rodungen in der Alten Elbe qua Gerichtsbeschluss. Eine schwierige Debatte nimmt neue Fahrt auf - Ergebnis offen, auch weil die Herausnahme der Magdeburger Elbstrecke aus dem EU-Schutzprogramm nicht allein Angelegenheit der Stadt ist.

Im Grunde sind sich OB und Naturschutzlager darin einig, dass natürliche Abflussflächen im Hochwasserfall einen größeren Nutzen brächten als eine immer höhere Eindeichung von Siedlungen und ein ungebremster Bauboom entlang von Flüssen. Trümper: "Das wusste schon meine Oma!" Allein: Der OB setzt - den Schock in den Knochen - nicht darauf, dass in Kürze gelingt, was in den elf Jahren seit dem sogenannten Jahrhunderthochwasser 2002 nur spärlich vorankam. Von den in Sachsen-Anhalt im Nachgang geplanten Hochwasserpoldern (überwiegend auf Ackerland) sind nicht einmal fünf Prozent erschlossen, weil das Einzelinteresse privater Grundbesitzer dem Hochwasserschutz im Wege steht. Trümper - für die Stadt verantwortlich - reagiert folgerichtig mit technischen und kurzfristig zur erledigenden Schutzprojekten in Form von Deicherhöhungen, Spundwänden oder Schutzmauern und wittert selbst da Gegenwind: "Ich habe schon Klagen darüber gehört, dass man durch eine Mauer vom Werder aus nicht mehr so einen schönen Blick hat, wie durch das Geländer. Da sage ich, dann guckt bei Hochwasser auch zu, wie das Wasser da durchfließt."

Harter Tonfall in der Auseinandersetzung

Mit ähnlich scharfer Schelte muss aktuell Jedermann rechnen, der das Agieren während der Katastrophe oder Trümpers zunächst im Alleingang aufgestellten Maßnahmekatalog hinterfragt. Die Grünen-Kritik an seiner Attacke aufs Schutzgebiet nennt das Stadtoberhaupt "primitiv". Der Linke-Verweis auf einen eigenen Ratsantrag unweit vor der Flut geht ihm "maximal auf den Geist". Die Linke hatte zu Jahresbeginn die Verwaltung ersucht, ein Flutszenario mit 7,50-Meter-Elbpegel theoretisch durchzuspielen für den Fall der Fälle und damit - wohl eher versehentlich - so ziemlich ins Schwarze getroffen. Trümper konterte: "Hinterher ist man immer schlauer. Als wir über die Bebauung des Elbebahnhofs entschieden haben oder die in Buckau - ich habe die klugen Leute damals nicht gehört, die gesagt hätten, baut das mal einen halben Meter höher."

Ein Rat sucht den Eklat selbst beim obligaten Helferdank

Die Ratsdebatte nahm ihren Auftakt im Beinahe-Konsens - mit dem Dank an die Fluthelfer. Nur Oliver Wendenkampf (future!) gab sich einmal mehr als Querkopf die Ehre und scherte selbst aus diesem aus, weil der Dank formal auch Rechtsradikale wie Andy Knape bedenke. Dem NPD-Mann hatte der OB am Sandsackwall bekanntlich versehentlich die Hand geschüttelt, was von ultrarechts fies vermarktet und von ultralinks mit Schimpf und Schade bedacht wurde. Wendenkampf übte sich in der für den OB nichts als peinlichen Angelegenheit wie gewohnt im Nachtreten: "Ich erkläre, ich danke Andy Knape nicht!" Schweigen im Rat, Kopfschütteln und selbst der Linke Theile - erster Redner nach Wendenkampfs Einlassungen - zeigt sich geschockt: "Da muss ich mich erst einmal sammeln."

Die Rückkehr zur Tagesordnung fällt schwer. Die Flutwelle ist materiell und emotional unbewältigt. Obendrein plagt die Sorge vor der Wiederkehr.


Quelle: Volksstimme 20.07.2013 - Internet

Infoveranstaltung am 24. Juli

OB Trümper wertet Krisenmanagement in Rothensee aus

19.07.2013 15:07 Uhr

Oberbürgermeister Lutz Trümper kommt am Mittwoch, 24. Juli, nach Rothensee. Auf einer Informationsveranstaltung beantwortet er Fragen zum Krisenmanagement im Stadtteil während der Flut. Oberbürgermeister Lutz Trümper kommt am Mittwoch, 24. Juli, nach Rothensee. Auf einer Informationsveranstaltung beantwortet er Fragen zum Krisenmanagement im Stadtteil während der Flut.

Rothensee (sar). Gut sechs Wochen nach dem verheerenden Elbehochwasser lädt Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper die Bewohner Rothensees zu einer Informationsveranstaltung ein. Zusammen mit dem Leiter des Katastrophenstabs, Holger Platz, wird er am kommenden Mittwoch, 24. Juli, die wichtigsten Entscheidungen sowie die daraus resultierenden Maßnahmen zur Gefahrenabwehr während der dramatischen Tage im Juni erläutern. Im Anschluss daran stellen sich die beiden den Fragen der Stadtteilbewohner.

Noch während das Wasser in den Kellern stand und in den Tagen danach gab es viel Kritik aus Rothensee am Krisenmanagement. Viele Anwohner suchten die Schuld bei den Verantwortlichen. Im Volksstimme-Interview erklärte der OB, dass man die Lage im Stadtteil unterschätzt hatte und kündigte neue Konzepte zum Hochwasserschutz an.

Die Bürgerversammlung beginnt um 18 Uhr in der Grundschule "Rothensee", Windmühlenstraße 30. Alle interessierten Anwohner sind dazu eingeladen.


Wir Buckauer warten auch noch auf einen Termin !!!


Quelle: Volksstimme Magdeburg

Spenden auf dem Sudenburger Straßenfest

Spendenglück hängt am Rad

Hochwasser-Spenden in Magdeburg |

24.07.2013 07:22 Uhr

Magdeburg l Das Sudenburger Straßenfest hat die Ambulante Krankenpflege Veronika Kröcher dazu genutzt, mit einem Glücksrad das Pflegezentrum "An der Elbe" zu unterstützen, das während des Hochwassers evakuiert werden musste. 500 Euro sind bei der Aktion buchstäblich erdreht worden, so Daniela Kröcher: "Wir waren sehr überrascht, welche Resonanz das Glücksrad erhielt." Mit Bildern, die das Haus an der Bleckenburgstraße vor, während und nach dem Hochwasser zeigt, dokumentierten die Mitarbeiter die Ausmaße der Folgen: 70 Patienten beispielsweise, einige davon Wachkoma-Patienten, sind während der Zeit der Flut in andere Einrichtungen verlegt worden, Mitarbeiter waren bis zu 36 Stunden nonstop im Einsatz, um die Verlegungen zu organisieren. Daniela Kröcher: "Das Interesse, wie es den Bewohnern nun geht, war beim Straßenfest sehr groß." Dies drückt sich auch in dem Erlös aus, der erzielt wurde.


Quelle: Volksstimme Magdeburg

Die Sprecher der IG Rothenseer Bürger und AG Gemeinwesenarbeit zu den Folgen der Flut

"Der moralische Schaden ist viel größer"

Hochwasser in Magdeburg |

24.07.2013 07:43 Uhr

Magdeburg | Wenn sich der OB am Mittwochabend den Rothenseern stellt, sind auch Wolfgang Ortlepp und Ernst Wittstock gespannt. Die Volksstimme unterhielt sich vorab mit den Sprechern von IG und GWA.

Die beiden wollen u.a. mit einem der größten Irrtümer während der Flut aufräumen. Denn immer wieder gab es Kritik, warum man das von der Überflutung bedrohte Umspannwerk in einer Senke gebaut hatte. "Doch das war in den 1930er Jahren sehr bewusst geschehen", erklärt Wolfgang Ortlepp. Dort war das Bauwerk nämlich bestens aufgehoben. Denn der Schwerin-Krosigk-Damm, der heutige August-Bebel-Damm, schützte sowohl das Werk als auch die Siedlung vor der Elbe. Erst durch spätere Industrieansiedlungen wurden die Flächen östlich des Damms aufgeschüttet und seine eigentliche Schutzfunktion ging verloren.

Was das bedeutet, erlebten die Anwohner der Hohenwarther Straße, als das Wasser am 7. Juni durch ihre Gärten, Häuser und Garagen schoss. Ortlepp selbst hatte in den Tagen zuvor das Ansteigen der Elbe insbesondere im Hafenbecken II beobachtet und seine Sorge am Nottelefon der Stadt mitgeteilt. Doch Sandsäcke kamen keine. Und als endlich welche kamen, wurden sie seiner Meinung nach auf der falschen Seite des August-Bebel-Damms gestapelt. "Auf der westlichen Seite haben sie doch keine Wirkung", erklärt er.

Die meisten Rothenseer hatten aber ohnehin mit der Flut von unten zu kämpfen. Durch Gullys und Keller drang in so gut wie allen Haushalten das Wasser ein. Bei Wolfgang Ortlepp stand es 1,30 Meter, bei Ernst Wittstock waren es 1,60 Meter. Jene, die in kleinen Senken wohnen, hatten mehr Pech als andere. "Es gab in Rothensee früher viele Seen und Teiche. Die Badeteichstraße heißt nicht umsonst so", erinnert Ernst Wittstock an den hohen Grundwasserspiegel.

"Der Stadtteil hat seine Jungfräulichkeit verloren", philosophiert der Sprecher der IG Rothenseer Bürger angesichts der Rekordflut. Und sein Pendant von der GWA-Gruppe des Stadtteils ergänzt: "Der moralische Schaden ist viel größer als der materielle." Denn nicht wenige Rothenseer teilten nun das Gefühl, "die haben uns absaufen lassen".

"Wir müssen drängen und fordern, dass die angekündigten Hochwasserschutzmaßnahmen so schnell wie möglich in Angriff genommen werden", erklärt Wolfgang Ortlepp die dringendste Aufgabe der beiden Bürgervertretungen.

Heute Abend ab 18 Uhr stellen sich Oberbürgermeister Lutz Trümper und der Leiter des Katastrophenstabs, Holger Platz, den Fragen der Rothenseer. In der Turnhalle der Grundschule, Windmühlenstraße 30, informieren sie über ihre Entscheidungen während der Flut.


 

"Das passiert mir nicht noch mal"

Magdeburg | Oberbürgermeister Lutz Trümper wagte sich am Mittwoch sechs Wochen nach der Überflutung in den Magdeburger Stadtteil Rothensee und erklärte gut 300 Anwohnern seine damaligen Entscheidungen. Noch mal werde ihm das nicht passieren, versicherte er.

"Man hat mir geraten, nicht herzukommen", erklärte der Oberbürgermeister nach der Bürgerversammlung im kleinen Kreis. Zu groß sei der Ärger der Anwohner über die Entscheidungen der Verantwortlichen während der Flut, hieß es. Dass er und Krisenstabsleiter Holger Platz sich trotzdem am Mittwochabend den Rothenseern stellten, rechneten diese ihnen auch hoch an. Eine hitzige Debatte erwartete sie dennoch.

Ins Schwitzen geriet der OB nicht nur wegen der Hitze in der mit über 300 Rothenseern voll besetzten Turnhalle. Doch wer sich neue Erkenntnisse erhofft hatte, verließ die Veranstaltung enttäuscht. Trümper schilderte zunächst die Ereignisse vor und während des 7. Juni aus seiner Sicht.

Demnach habe man das "ominöse" Hafenbecken II seit Dienstag im Blick gehabt. "Auch uns war klar, dass kein Wasser auf dem August-Bebel-Damm stehen darf", erklärte er. Da die Prognose zu diesem Zeitpunkt aber "nur" 7,20 Meter vorhersagte, wurde dort nichts gemacht. Bis Freitag habe man alle Anstrengungen in der Stadt auf diesen Höchststand ausgerichtet. Als dann die neuen Prognosen mit 7,30, 7,40 Meter kamen, war schlicht keine Zeit mehr. Dass man Rothensee aufgegeben habe, sei deshalb "Unfug", so Trümper.

Zusätzlich seien in der Ortslage aber auch Entscheidungen getroffen worden, die er nicht nachvollziehen könne. Dazu gehöre zum Beispiel auch, dass auf der West- statt der logischeren Ostseite des Bebel-Damms Sandsäcke gestapelt wurden. "Wir wissen ja gar nicht, wer das gemacht hat", gab er zu.

Als es ein Konzept zur Sicherung Rothensees gab, war es für die Umsetzung zu spät. Eine Art "U" sollte um die beiden Hafenbecken verbaut werden. "Mit dem Wissen von heute würde das Wasser hier selbst bei 7,50 Meter nicht drüberlaufen. Das passiert mir nicht noch mal", versicherte er.

Damit es aber gar nicht erst dazu kommt, müsse verhindert werden, dass die Elbe in den Hafen gelangt. Seiner Ansicht nach wäre eine Spundwand am Trennungsdamm die beste Lösung. Ob das umgesetzt werden kann, müssen erst die Experten prüfen. Dazu werde es in den nächsten Wochen Entscheidungen geben. Eines muss aber allen Rothenseern klar sein, so Trümper: "Dass hochwasserbedingtes Grundwasser unter dem August-Bebel-Damm durchdringt, kann man nicht verhindern."

In der anschließenden Fragerunde nutzten zahlreiche Anwohner die Gelegenheit, ihren Frust loszuwerden. Matthias Strang versteht nicht, warum das Angebot von Firmen, die beim Absichern helfen wollten, nicht angenommen wurde. Auch das blinde Vertrauen des Krisenstabs in die Vorhersagen blieb vielen ein Rätsel. Warum plante man nicht einen "Sicherheitspuffer" von zehn, zwanzig Zentimeter? Trümper beharrte darauf, dass "man das einfach nicht macht".

Werner Misch als Vertreter der Anwohner aus der Hohenwarther Straße, die am schlimmsten vom Hochwasser betroffen sind, hoffte, dass künftige Generationen sagen werden: "Toll, wie sie aus ihren Fehlern gelernt haben." "Glauben Sie mir, unsere Liste ist schon unendlich lang", antwortete der OB.

Das "ganz Kuriose" für ihn und auch für viele Rothenseer war die plötzliche Korrektur in den Prognosen. Waren am Montag noch 7,43 Meter avisiert, sank die Vorhersage am Dienstag um über 20 Zentimeter. "Ich kann das nicht erklären und ich habe noch keinen gefunden, der es kann", stellte das Stadtoberhaupt am Ende fest.

Antworten auf weitere Fragen in der Volksstimme-Ausgabe am Sonnabend.

Quelle: URL: http://www.volksstimme.de/nachrichten/magdeburg/1114841_Das-passiert-mir-nicht-noch-mal.html © 2013 Volksstimme

  


 

Libellen, Brücken und Blabla-Vorwürfe erhitzen in Ostelbien die Gemüter

Volksstimme 26.07.2013 07:32 Uhr

Magdeburg | Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) will das umstrittene EU-Naturschutzgebiet Alte Elbe auf den Prüfstand stellen, sieht einen Ausstieg der Stadt aber skeptisch. Bewohner Ostelbiens versprechen sich davon besseren Hochwasserschutz.

Auf einem Forum der CDU im Bürgerhaus Cracau äußerte sich der Umweltminister am Mittwochabend ausführlich zu den Regularien des Naturschutzgebietes (Flora-Fauna-Habitat, kurz FFH) und erntete dafür heftige Kritik. "Sie erzählen hier doch nur Blabla", empörte sich ein Rentner aus Ostelbien und zog schimpfend von dannen.

Kurze Aufregung kam im proppenvollen Saal unter den rund 100 Zuhörern auf. "Wollen Sie weiter Fragen stellen und ich antworte, oder sind Sie auch der Meinung, ich erzähle nur Blabla?", fragte der Minister mit Nachdruck. Das Gebrabbel verstummte und die Fragerunde ging weiter. Doch das FFH-Gebiet blieb der Aufreger Nummer eins.

Klaus-Dieter Arendt von der Bürgerinitiative Furtlake/B1 erntete stürmischen Applaus: "Ich unterstütze unseren Oberbürgermeister ausdrücklich darin, die Alte Elbe aus dem FFH-Gebiet herauszunehmen", sagte Arendt. Der Ostelbier Hans-Jürgen Kehr und zahlreiche weitere Besucher schlugen in dieselbe Kerbe: "Jetzt in diesem Sommer sollte das Flussbett der Alten Elbe ausgebaggert und der Baumbestand entfernt werden", forderte er.

Genau solchen Maßnahmen setzt die FFH-Richtlinie aber strenge Grenzen oder verhindert sie gänzlich, was Umweltschützer in der Vergangenheit auch gerichtlich durchsetzen konnten.

Ausbagger-Effekt umstritten

Doch einfach austreten aus dem Naturschutzprogramm der EU kann Magdeburg ohnehin nicht, stellte Aeikens klar. Für die Alte Elbe sei wegen ihrer schützenswerten Pflanzen und Tiere der FFH-Status vor Jahren von der EU erlassen worden. "Der Status kann nur von der EU wieder aufgehoben werden, wenn sich herausstellen sollte, dass die zu schützenden Tiere und Pflanzen nachweislich nicht mehr vorhanden sind. Das muss nun überprüft werden", erklärte der Minister. Damit antwortete er auch auf Einwürfe, die geschützten Libellen hätten das Hochwasser ohnehin nicht überlebt. Aeikens verteidigte das Naturprogramm, betonte aber: "Der Schutz des Menschen muss Vorrang haben."

Allerdings: Welchen Effekt etwa ein Ausbaggern der Alten Elbe auf Pegelstände hätte, darüber streiten durchaus die Gelehrten. Verschiedene Studien kamen bislang zu unterschiedlichen Aussagen. Aeikens versprach eine neue fachliche Bewertung anhand der Daten und Erkenntnisse aus der jüngsten Flut.

Vorhersagesystem nicht optimal

Auch zur Kritik an den Hochwasserprognosen des Landes äußerte sich der Minister und räumte ein. "Unser System ist nicht schlecht, aber noch nicht optimal." Punktlandungen seien allerdings schwierig: "Wir können die Natur nicht völlig beherrschen."

In der nächsten Woche will der Umweltminister bei einem Treffen mit Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) die Flut weiter auswerten. Zur Sprache kommen dürften dabei auch die Brücken.

 

Ostelbier forderten am Mittwoch den Abriss der alten Eisenbahnbrücke über die Alte Elbe sowie eine Strombrückenverlängerung ohne die bisher angedachten neuen Pfeiler im Flussbett. Statt dessen solle eine Pylonbrücke die Innenstadt mit Ostelbien verbinden.

Außerdem verlangten Besucher des Forums Maßnahmen gegen Grund- und Drängwasserprobleme in Ostelbien. Dazu gebe es ein Landesprogramm, das auch in Magdeburg greifen werde, versprach Aeikens.

Quelle: URL: http://www.volksstimme.de/nachrichten/magdeburg/1114792_Libellen-Bruecken-und-Blabla-Vorwuerfe-erhitzen-in-Ostelbien-die-Gemueter.html  © 2013 Volksstimme


Volksstimme Magdeburg

Vorort-Termin im Magdeburger Hafen / Spundwand kostet zweistelligen Millionenbetrag

01.08.2013 02:08 Uhr

Hochwasserschutz: OB drückt persönlich Minister Ramsauer den Plan in die Hand

 

Magdeburg möchte Hafen und Stadtteil Rothensee möglichst durch eine hohe Spundwand vor Hochwasser schützen. Am Dienstag wurden Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer die Pläne vor Ort erläutert.

Magdeburg l Schon zur Begrüßung hielt OB Lutz Trümper den Planentwurf bereit, übergeben konnte er ihn an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) aber erst am Ende des Besuchs. Ramsauer war am Dienstag im Land unterwegs, um sich erneut über die Hochwasserschäden zu informieren. Landesverkehrsminister Thomas Webel (CDU) hatte ihn dazu eingeladen. In Magdeburg war der Hafen das Ziel einer kurzen Stippvisite des Bundespolitikers.

Und um den Hafen ging es auch in besagtem Plan in der Hand von OB Trümper. "Wir müssen jetzt zügig handeln, um den Hafen und den Stadtteil Rothensee vor einem weiteren Hochwasser zu schützen", sagte Trümper. Jetzt stünden möglicherweise die notwendigen Fördermittel bereit und das Problem sei bei "den Entscheidungsträgern" in Berlin noch präsent.

Die Stadt möchte möglichst Hafen und Stadtteil durch eine massive und vor allem hoch genug gebaute Spundwand vor zukünftigem Hochwasser schützen. Von Norden aus könnte die Wand ab Rothenseer Verbindungskanal bis zum Industriehafen verlaufen. Dabei ließe sich mit der Spundwand die große Lücke zwischen Steinkopfinsel und Industriehafen schließen. Während des Hochwassers hat sich auch gezeigt, dass im Bereich von Hafenbecken I und II eine Geländemulde dem Hochwasser freien Lauf gelassen hatte. Auch diese Mulde ließe sich mit der Spundwand entschärfen, so die groben Pläne. Das sei erst einmal ein Vorschlag, meinte Trümper. Geklärt werden müsse auch, wie im Hochwasserfall der Hafenbereich hinter der Spundwand und die schiffbare Elbe voneinander "getrennt" werden und ob dabei möglicherweise die neue Niedrigwasser-Schleuse eine Rolle spielen könnte. Der Vorteil dieser Spundwand-Lösung wäre noch, dass auch während eines Hochwassers der Magdeburger Hafen weiterhin über den Mittellandkanal zu erreichen wäre, sagte Hafen-GmbH-Chef Karl-Heinz Ehrhardt. Für ihn ist wichtig, dass der Hafen möglichst schnell hochwassersicher wird. "Wir müssen Investoren, die sich im Hafen ansiedeln wollen, eine hohe Planungssicherheit geben können, damit sie überhaupt kommen", so Ehrhardt. Dabei hat der Hafen-Chef auch das Jahr 2019 im Blick, denn dann fallen die Transfairleistungen des Bundes für die Infrastruktur im Osten weg. "Bis dahin müssen wir es geschafft haben."

Und darum war es auch wichtig, Verkehrsminister Ramsauer den Magdeburger Spundwand-Plan so schnell wie möglich persönlich in die Hand zu drücken. Denn das Problem ist - natürlich - die Finanzierung. 15 bis 20 Millionen Euro sind dafür eine realistische Größe, so die einhellige Meinung von Fachleuten. Das kann Magdeburg nicht allein stemmen. Und muss es auch nicht unbedingt. Die Elbe ist eine Bundes-Wasserstraße, fällt folglich in den Hoheits- und Finanzbereich von Minister Ramsauer. Hochwasserschutz wiederum ist auch Landessache, zum Teil also im Aufgabenressort von Thomas Webel. Somit ist eine Mischfinanzierung von Bund, Land und Stadt realistisch. Peter Ramsauer äußerte sich konkret am Dienstag dazu nicht. Aber: "Problem erkannt", sagte er und er werde den Plan - den OB Trümper ihm am Schluss des Besuchs überreicht hatte - umgehend an seine Fachabteilung weiterleiten.

"Ich denke, man kann sich auch darauf verlassen", sagte OB Trümper, nachdem Ramsauer per Hubschrauber Magdeburg wieder entschwunden war. Und auch Hafen-Chef Karl-Heinz Ehrhardt setzt auf das Wort des Ministers und war am Ende zufrieden mit dem Treffen.

 

Quelle: URL: http://www.volksstimme.de/nachrichten/magdeburg/1117602_Hochwasserschutz-OB-drueckt-persoenlich-Minister-Ramsauer-den-Plan-in-die-Hand.html
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Hochwasser bleibt in Ostelbien Thema

Der Stadtrat hat erste Entscheidungen zum Hochwasserschutz getroffen.
Darunter auch die Herauslösung der Alten Elbe, Zollelbe und Umflut aus
dem FFH-Gebiet.

Oberbürgermeister Lutz Trümper und Stadtrat Jens Rösler diskutierten am Dienstagabend mit Bürgern über die geplanten Maßnahmen der Stadt zum Hochwasserschutz.Foto: Michaela Schröder
Oberbürgermeister Lutz Trümper und Stadtrat Jens Rösler diskutierten am Dienstagabend mit Bürgern über die geplanten Maßnahmen der Stadt zum Hochwasserschutz.Foto: Michaela Schröder

Magdeburg. Auf einem Forum des SPD-Stadtverbandes und SPD-Ortsvereins Magdeburg-Ost im Alten Theater äußerte sich Oberbürgermeister Lutz Trümper am Dienstagabend zu geplanten Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Doch viel Neues gab es vom Stadtoberhaupt nicht zu hören. Das Hilfspaket von Bund und Ländern sei beschlossen. Der Stadtrat habe erste Entscheidungen zum Hochwasserschutz und zur Beantragung von Finanzhilfen getroffen.

Die Zollstraße soll eine durchgehende Ufermauer erhalten. Eine Glas-Stahl-Konstruktion als Hochwasserschutz sei für das Schleinufer denkbar. Mobile Spundwände schließt Trümper hingegen aus. Diese seien für die Stadt finanziell nicht realisierbar. Die Hochwasserschutz-Wände können zudem nicht überall aufgebaut werden. Da sie hohen Druck aushalten müssen, brauchen sie ein Fundament.

Auch sieht Magdeburgs Oberbürgermeister keine Lösung darin, den Umflutkanal auszubauen, damit er größere Wassermengen aufnehmen kann. Dies bedeute nur eine Gefahr für die anderen Städte, die dann mit noch mehr Wassermassen aus Richtung Magdeburg rechnen müssen. Der linke Deich des Umflutkanals soll jedoch im kommenden Jahr saniert werden. Jedoch sei hier das Land in der Verantwortung.

"Für den Brückenneubau würden wir auch einen Kredit aufnehmen."

Deutlich machte Trümper, dass die Stadt schnellstmöglich klar erkennbare Maßnahmen ergreifen wird. Neben der Sicherung des Werders vor Überflutung stehe auch der Brückenneubau auf der Prioritätenliste. Hier wäre die Stadt sogar bereit einen Kredit aufzunehmen, wenn keine Fördermittel fließen. Jedoch machte Trümper deutlich, dass dies ein Prozess sei, der nicht von heute auf morgen fertiggestellt sei. Die Hochwasser-Arbeitsgruppe arbeite an verschiedenen Konzepten für einen künftigen verbesserten Hochwasserschutz in Magdeburg.

Doch das Ausbaggern der Alten Elbe bleibt der Aufreger Nummer eins. Die Bürger pochen weiterhin darauf, dass die Alte Elbe zukünftig wieder ausgebaggert werden soll. Welchen Effekt aber ein Ausbaggern der Alten Elbe auf Pegelstände hätte, darüber streiten durchaus die Gelehrten. "Die Tatsachen liegen doch auf dem Tisch", äußerte sich Klaus-Dieter Arendt von der Bürgerinitiative Furtlake/B1 und verwies auf eine Studie der Uni Dresden.

Fazit: Die vorhandenen Verlandungen in der Alten Elbe bewirken keine äquivalente Anhebung des Wasserspiegels, sondern erhöhen den Wasserstand nur um wenige Zentimeter. Dennoch sollte langfristig ein Abtrag der Verlandungszonen (vorzugsweise auf natürlichem Wege durch Mobilisierung während Hochwasserereignissen) angestrebt werden.

Die Flusslandschaft an dieser Stelle ist jedoch durch die Europäische Union als Fauna- und Florahabitat geschützt. Einfach loszulegen und Sand und Bewuchs zu entfernen, geht folglich nicht.

"Warum wird die alte Eisenbahnbrücke nicht abgerissen?"

Trümper verwies aber darauf, dass der Stadtrat am Montag beschlossen habe, ein Antragsverfahren bei den zuständigen Landes- und EU-Behörden einzuleiten, mit dem Ziel, die Wasserläufe von Alter Elbe, Zollelbe und Umflut aus dem EU-Naturschutzgebiet herauszulösen.

Die Ostelbier forderten am Dienstagabend auch den Abriss der alten Eisenbahnbrücke über die Alte Elbe. Anscheinend kein Problem, stünden nicht die Abrisskosten im Raum. Der Brücken-Eigentümer wehrt sich nicht gegen den Abriss - doch wer soll die Kosten tragen.

Außerdem kritisierten die Vertreter der Bürgerinitiative Furtlake/B1 Wolfgang Herms und Klaus-Dieter Arendt die Verzögerung des ostelbischen Grabenausbaus. Sie hatten am Dienstag kein Verständnis mehr dafür, warum die Bauarbeiten nicht voranschreiten und das notwendige Planfeststellungsverfahren und das dringend benötigte Schöpfwerk auf sich warten lassen

.Laut Trümper soll die Baumaßnahme in ein bis zwei Jahren abgeschlossen sein. Zudem wolle er prüfen, ob ein gleichzeitiges Arbeiten am Ober- und Unterlauf möglich sei. Das Stadtoberhaupt bat jedoch um Nachsicht: für einen rechtssicheren Antrag zum Planfeststellungsverfahren benötige es einfach Zeit.

URL: http://www.volksstimme.de/nachrichten/magdeburg/1140642_Hochwasser-bleibt-in-Ostelbien-Thema.html     © 2013 Volksstimme

Anmerkung: Und wie immer von Trümper kein Wort zu Westerhüsen, Salbke und Buckau. Und das alles unter dem SPD Schild (Wahlwerbung) ! Wer uns so hängen lässt, kann doch wohl nicht erwarten, gewählt zu werden!


Hochwasservorsorge: Stadtrat will Naturschutz für Alte Elbe kippen 13.09.2013

Magdeburg. Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) will den Naturschutzstatus für die Alte Elbe und den Umflutkanal zu Fall bringen, um für den Hochwasserschutz die Flussbetten ausbaggern oder abholzen zu können. Eine Stadtratsmehrheit hat dem OB für Verhandlungen mit dem Land und der EU das Mandat erteilt - eine umstrittene Entscheidung mit einem noch ungewissen Ausgang.

Die Abkürzung FFH ist für viele Magdeburger, insbesondere in Ostelbien, seit dem Juni­hochwasser ein rotes Tuch. Die drei Buchstaben stehen für das Flora-Fauna-Habitat "Elbaue", ein Naturschutzgebiet der EU. Die Stadt selbst hatte sich vor Jahren um die Aufnahme beworben. Aus Sicht von OB Trümper ein "gewaltiger Fehler". So hätten Umweltschützer in der Vergangenheit geplante Arbeiten in den Flussläufen gerichtlich stoppen können.

Die SPD im Stadtrat forderte ebenso den Ausstieg aus dem FFH-Gebiet. SPD-Mann Jens Rösler warb auf der Sitzung am Montagabend um Zustimmung für einen entsprechenden Antrag: "Wir wissen alle, dass das FFH-Gebiet zu großen Problemen bei der Bewirtschaftung, bei wichtigen Hochwasserschutzprojekten oder wichtigen Bauprojekten führt."

Zustimmung von der CDU, scharfe Kritik von den Grünen, aber auch aus Teilen der Linken-Fraktion: "Dieser Reflex zu sagen, weg mit dem Umweltschutz, ist falsch. Wir müssen Hochwasser- und Umweltschutz miteinander vereinbaren." Frank Theile (Linke) zerpflückte den Antrag: "Es wird in fataler Art und Weise Umweltschutz gegen Bürgerschutz gestellt. Ich meine aber, das gehört zusammen." Theile warnte: "Es ist schon verwunderlich, wie viele Experten es hier im Saal gibt, die ad hoc eine solche Entscheidung treffen können. Sie suggerieren der Bevölkerung, damit sind alle Probleme gelöst - und das sind sie aus meiner Sicht nicht. Wir sollten das erst sorgfältig prüfen, und zwar mit Leuten, die was davon verstehen."

Der SPD-Antrag unterstelle, "dass das FFH-Gebiet uns am Hochwasserschutz hindert", sagte Mirko Stage (future!): "Ich bin davon noch nicht überzeugt. Wir sollten erst in den Ausschüssen diskutieren, ob das wirklich sinnvoll und nötig ist." Die Mehrheit im Stadtrat wollte das nicht.

Wolfgang Wähnelt (Grüne) legte deshalb nach: "Sie bilden sich ein, sie stellen den Antrag und haben die Probleme mit der Natur nicht mehr - Gott sei Dank irren Sie sich da. Das entscheiden andere, die ein wenig mehr darüber nachdenken, als Sie heute gewillt sind."

CDU/BfM-Fraktionschef Wigbert Schwenke wetterte gegen die Grünen: "Was bin ich froh, dass die Leute im 19. Jahrhundert noch die Sicherheit der Bürger im Blick hatten und nicht irgendwelche anderen Spinnereien. Den Umflutkanal hätten wir wahrscheinlich nie bauen dürfen, weil das durch Sie verhindert worden wäre. Es geht darum, den Kardinalfehler zu beheben. Das sind wir den Bürgern schuldig."

OB Trümper zum Streit im Stadtrat: "Wir reden darüber, dass Hochwasserschutz für die Menschen ein höherrangiges Recht ist als der Schutz der Pflanzen und Tiere im Umflutkanal. Der ist gebaut worden zum Hochwasserschutz und nicht als Naturschutzgebiet. Das war nie so gedacht, das hat sich in den Jahrzehnten so entwickelt. Umflutkanal und Alte Elbe gehören in das FFH-Gebiet einfach nicht rein. Das ist doch keine Entscheidung gegen den Naturschutz." Mario Grünewald von den Linken stellte sich auf die Seite der FFH-Gegner: "Die Alte Elbe ist praktisch eine Sandgrube. Wir müssen raus aus dem FFH-Gebiet."

Ob das möglich ist, steht dahin. Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) hatte kürzlich auf einem Bürgerforum erklärt: "Der Status kann nur von der EU wieder aufgehoben werden, wenn sich herausstellen sollte, dass die zu schützenden Tiere und Pflanzen nicht mehr vorhanden sind. Das muss nun überprüft werden."

Das soll OB Trümper nun mit der Mehrheit des Stadtrates im Rücken durchsetzen. Wolfgang Wähnelt von den Grünen warnte ihn bereits vor: "Jeder der sich ein klein wenig damit beschäftigt hat weiß, das sind Verfahren, die gehen über Jahre, über zig Jahre."

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Bahnen müssen aufwendig rangiert werden 13.09.2013

Der eingestellte Straßenbahnverkehr erregt weiter die Gemüter in Rothensee. In einem offenen Brief wird eine teilweise Freigabe gefordert. Doch die MVB pochen auf die Sicherheit ihrer Fahrgäste.

Magdeburg I  Deutliche Worte findet Hartmut Röhner in seinem Brief an die Stadträte, in dem er "im Namen vieler Rothenseer" die Rückkehr der Tram einfordert. "Wir werden auch noch drei Monate nach der Überflutung des Wohngebietes mit einem unzumutbaren Provisorium bestraft", erklärt er darin. Die unkoordinierten Anschlussverbindungen, die beschwerlichen Umsteigebedingungen und die ungeschützten Behelfshaltestellen seien eine "unglaubliche Zumutung gegenüber Älteren, Behinderten, Müttern mit Kinderwagen und unseren Schulkindern", schimpft er weiter. "Haben die Verantwortlichen Rothensee wieder einmal vergessen? Wie lange soll dieser unhaltbare Zustand noch anhalten?", will Hartmut Röhner wissen. Denn schließlich fahren bereits wieder leere Straßenbahnzüge an den wartenden Fahrgästen vorbei in Richtung Betriebshof Nord. Wenigstens bis zur Grundschule Rothensee könnte man doch die Leute mitnehmen, meint er.

Doch nach Auskunft des Unternehmens ist das weiterhin nicht möglich. MVB-Sprecherin Juliane Kirste erklärte auf Volksstimme-Anfrage: "Die Fahrten der Straßenbahnen in Richtung Betriebshof Nord ab Pettenkoferstraße sind ausschließlich Rangierfahrten, die außerhalb von Fahrplänen geschehen." Die Umfahrung im Betriebshof Nord kann durch Hochwasserschäden nicht genutzt werden, weshalb die Bahnen dort nur durch aufwendiges Rangieren gewendet werden können.

"Hinzu kommt, dass die Gleise bis zum Betriebshof bisher nur notdürftig repariert werden konnten und daher aus Sicherheitsgründen kein regulärer Fahrgastbetrieb möglich ist", so Kirste weiter. Wann sich die "ärgerliche Situation" bessert, konnte sie nicht sagen. Die Gutachten zu den Gleisschäden stehen noch aus. "Wir bitten um Verständnis für diese schwierige Situation", appellierte sie an die Rothenseer.

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Fassungsloser Ortsbürgermeister attackiert das Naturschutzlager

12.10.2013 08:58 Uhr

Altstadt/Randau l "Ich verstehe die Welt nicht mehr!" Mit diesem Bekenntnis eröffnete Günther Kräuter am Donnerstag seine Wutrede vor dem Stadtrat. Der Ratsvorstand hatte dem Ortsbürgermeister von Randau/Calenberge auf eigenen Wunsch das Wort für eine "persönliche Erklärung" erteilt. Kräuter nutzte es für eine Abrechnung mit jenen Räten - vornehmlich Grüne und Linke -, die sich auch nach der jüngsten Elbeflut fürs Festhalten am Naturschutzstatus (Flora-Fauna-Habitat, FFH) für die Alte Elbe und die Umflut aussprechen. Zwar stand das Thema nicht auf der aktuellen Tagesordnung, aber der Dampf musste offenbar aus dem Kessel.

Kräuter bombardierte die Freunde eines andauernden Elbe-Naturschutzes zunächst mit einer Reihe suggestiver Fragen, die vielmehr Anklagepunkten gleichkamen: "Haben Sie schon mal in die Augen der Bürger geschaut, die mich angesprochen haben, als ich vom Katastrophenstab kam: Ortsbürgermeister, hält der Deich? Müssen wir unser Dorf verlassen? Wie geht es weiter?" Kräuter sprach von schlaflosen Nächten, vom Gefühl, auf einem Deich zu stehen, "der unter den Füßen weich wird" und gipfelte: "Wollen Sie den Bürgern Ostelbiens nach einem Deichbruch erklären, Eure Häuser und den Deich konnten wir nicht sichern, aber sehen Sie doch, wie herrlich die blaue Libelle fliegt?"

Längst ging Geraune durch den Saal - das eine Lager, zu Beifall aufgelegt, das andere zur blanken Empörung. Doch Kräuter setzte noch längst keinen Punkt. "Ich weiß nicht, wo Sie wohnen, wahrscheinlich weit weg vom Deich", unterstellte er dem Naturschutzlager eine gewissen Ferne zum brennenden Problem. Und schließlich - im Finale - legte der Mann jenen Räten, die "Maßnahmen" wie die Aufhebung des FFH-Status und mithin zum Beispiel die Auslichtung und Ausbaggerung der Alten Elbe blockierten, nicht weniger als den Gedanken an einen Rücktritt nahe. O-Ton: "Und zum Schluss möchte ich noch eines sagen: Jeder Stadtrat, dem die Sicherheit der Bürger gleichgültig ist, sollte überlegen, ob er hier noch richtig sitzt."

Aus den Reihen von CDU und SPD erntete der Ortsbürgermeister zustimmenden Applaus. Grüne und Linke machten viel mehr grimmige Gesichter zur Szenerie - schweigend. Einzig der Jugendpartei-Rat Mirko Stage meldete sich sichtlich und hörbar empört zur Entgegenung zu Wort und nannte die Art der Debatte ums Für und Wider des Naturschutzes am Fluss "populistisch", "platt" und "einfach nur traurig" und verweigerte sich der simplen Logik "FFH weg ist gleich kein Hochwasser mehr". "Ich wohne in Ostelbien und ja, ich stand auch schon an einem aufgeweichten Deich", sagte Stage und konstatierte, was wohl kaum ein Rat, egal welcher Couleur, ernsthaft in Zweifel ziehen würde: "Niemandem hier ist die Sicherheit der Magdeburger egal!"

Auch Stage erntete Beifall für seine Worte. Er fiel etwas verhaltener aus als der für Kräuter. Eine klare Ratsmehrheit unterstützt wie Ortsbürgermeister Kräuter und zahlreiche weitere Anwohner der ostelbischen Stadtteile energisch den Vorstoß von OB Lutz Trümper zur Herausnahme der Magdeburger Stadtstrecke aus der europäischen Artenschutzzone entlang der Elbe.

Günther Kräuters emotionsgeladener Auftritt im Rat ist vor allem ein Beleg dafür, dass die Juniflut jenen, denen sie bedrohlich nahe kam oder sogar bis in die Stuben floss, noch sehr tief in den Knochen steckt. An den Deichen von Pechau und Randau konnte die Katastrophe - die Überflutung weiter Teile Ostelbiens - nur mit größter Mühe und äußerst knapp abgewendet werden.

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Sehnsucht nach Normalität - Pflegeheim gewinnt Kampf gegen Flutschäden

Das Hochwasser im Juni ist im Pflegeheim "An der Elbe" noch immer
präsent: Der Erdgeschossbereich mit Wohnungen und Küche konnte seit der
Flut nicht genutzt werden. In dieser Woche macht das Haus an der
Bleckenburgstraße einen großen Schritt in Richtung Normalität.

"Während des Hochwassers hat man sich sehr gut um uns gekümmert", sagt Helene Vamelow (links) hier mit Veronika Kröcher.
 
"Während des Hochwassers hat man sich sehr gut um uns gekümmert", sagt Helene Vamelow (links) hier mit Veronika Kröcher. | Foto: Marco Papritz

Buckau l Mit der Flut Anfang Juni kam der Ausnahmezustand: Die Bleckenburgstraße gehörte zum Überschwemmungsgebiet, das Pflegeheim "An der Elbe" fand sich mitten im Hochwasser wieder. Der Elbpegel hat sich zwar zurückgezogen, geblieben sind die Schäden, die für Sorgenfalten beim Team um Leiterin Veronika Kröcher sorgten: "Das Wasser stand bis zum Fenstersims. Der Putz musste von den Wänden und der Belag vom Boden entfernt werden."

In der Cafeteria und dem Heimleiterzimmer hob sich der Estrich, Heizungskörper mussten abgenommen und alle Möbelstücke entsorgt werden. Elektrische Geräte erwiesen sich als irreparabel, die Küchentechnik blieb seitdem aus. "Sechs Bewohner konnten ihre Wohnungen im Erdgeschoss nicht nutzen und mussten in obere Etagen verlegt werden", so Veronika Kröcher.

Glück im Unglück für das Haus: Der Versicherer leitete umgehend die Regulierung der Schäden ein, so dass schon bald mit der Instandsetzung begonnen werden konnte. Während die Bewohner nach dem Hochwasser wieder zurück in ihr Domizil ziehen konnten, liefen die Arbeiten an. Vorsorglich ist dabei beispielsweise Aquapanel verwendet worden, um die Einrichtung besser zu schützen.

Rüdiger March gibt dem Eingangsbereich den letzten Schliff.
 
Rüdiger March gibt dem Eingangsbereich den letzten Schliff. | Foto: Marco Papritz

"Trockenwände fingen nach dem Hochwasser an zu schimmeln und mussten entfernt werden", weist Veronika Kröcher hin. Die Zeit der Provisorien endet in diesen Tagen, die Baumaßnahmen sind abgeschlossen und Räume wieder eingerichtet. "Endlich kehrt wieder Normalität ein. Die Freude beim ersten gemeinsamen Frühstück im Erdgeschoss war sehr groß", so die Leiterin am Montag. Die Küche kann zumindest eingeschränkt (die Lüftungsanlage ist noch nicht im Gang) genutzt werden.

"Die Evakuierung war zwar schlimm, doch so schlecht ging es uns nicht: Man hat sich sehr gut um uns gekümmert", sagt Helene Vamelow. Mit 99 Jahren ist sie die älteste unter den 70 Bewohnern des Pflegeheims, das komplett evakuiert werden musste. Das Wasser ist von der Bleckenburgstraße schon lange zurückgewichen, geblieben ist der Eindruck, dass Buckau zusammenhält. "Das Zusammenstehen während und nach dem Hochwasser ist einmalig im Stadtteil", so die Leiterin des Pflegeheims, dessen Mitarbeiter unter anderem beim Räumen des Hauses von Nachbarn und Anwohnern unterstützt wurden.

Mitarbeiterin Jana Duschek kann in diesen Tagen erstmals wieder die Küche im Haus nutzen.
 
Mitarbeiterin Jana Duschek kann in diesen Tagen erstmals wieder die Küche im Haus nutzen. | Foto: Marco Papritz

Künftig wolle sich die Pflegeeinrichtung "noch stärker in der Arbeitsgruppe für Gemeinwesenarbeit einbringen", zu der ein guter Kontakt aufgebaut werden konnte. So könne gemeinsam beispielsweise auf den Stadtrat und die Stadtverwaltung eingewirkt werden, um die Belange des Stadtteils Buckaus zu vertreten.

 
 

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Baumaßnahme zur Hochwasser-Nachsorge in Ostelbien:

2. Abschnitt des Gewässerausbaus in Prester beendet

Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper hat am 23. Januar gemeinsam mit dem Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Dr. Hermann Onko Aeikens, dem Beigeordneten für Kommunales, Umwelt und Allgemeine Verwaltung, Holger Platz, und dem Verbandsvorsteher des Unterhaltungsverbands „Ehle/Ihle“ als Auftraggeber, Kay Gericke, den zweiten Bauabschnitt für den Ausbau des Furtlakengrabensystems übergeben. Insgesamt wurden rund 2 Mio. Euro in die Baumaßnahme investiert.

„Mit der Umsetzung der Baumaßnahme wird die Oberflächenentwässerung für Prester, Puppendorf und Neugrüneberg deutlich verbessert.“, so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. „Damit konnte ein wichtiger Abschnitt beim Gewässerausbau in Ostelbien beendet werden.“

Der Gewässerausbau erfolgt durch den zuständigen Unterhaltungsverband Ehle/Ihle. Nach Abschluss der Baumaßnahme kann sowohl die Vernässung privaten und öffentlichen Eigentums als auch bei landwirtschaftlich, gewerblich und industriell genutzten Flächen minimiert werden. So wird das normale Grundwasserniveau schneller wieder erreicht. Die hydraulische Gesamtsituation des Polders wird durch diese Maßnahme entspannt.

Neben dem Graben H wurde auch der Entlastungsgraben vom Graben A zu Hermeckes Kiesloch sowie die Rohrleitung Puppendorfer Weg ausgebaut bzw. hergestellt. Darüber hinaus wurde im Zuge der Arbeiten als vorgezogene artenschutzrechtliche Kompensationsmaßnahme auch ein Ausweichquartier für Fische und Amphibien geschaffen.

Bereits im Sommer 2014 konnte der erste Abschnitt, Ausbau der Prester Grben, fertig gestellt werden. Dazu gehörte der Ausbau der Gräben E und F sowie die Herstellung des Prester-Verbindungsgrabens auf einer Gesamtlänge von rund 3.100 Metern. Den Schwerpunkt dieser beiden Abschnitte stellte hier der Bau einer Rohrleitung vom Puppendorfer Weg bis zur Furtlake (Durchlass An der Lake) dar.

Auf einer Länge von rund 800 Metern soll nun vor allem das anfallende Drängwasser, von unten drückendes Grundwasser, sowie das nach Starkniederschlägen anfallende Wasser aus den Bereichen Prester und der Ackerflächen, um die bebauten Gebiete Puppendorf, Neugrüneberg und dem Gebiet nördlich der B1 an der Steinwiese herumgeführt und auf dem schnellsten Weg in die Furtlake abgeleitet werden. Das führt zu einer Entlastung der Altläufe und der bebauten Gebiete am Furtlakengrabensystem.

Allerdings kann erst mit der Fertigstellung des dritten Bauabschnitts, dem Ausbau des Steingrabens durch den Biederitzer Busch, der Errichtung eines Schöpfwerks und dem Neubau des Steingrabensiels das Wasser endgültig aus dem Polder in die Umflut abgeführt werden. Der Baustart dafür soll Ende Januar 2015 erfolgen.

Die Gesamtkosten der ersten beiden Maßnahmen belaufen sich auf ca. 3,5 Mio. Euro. Für beide Maßnahmen liegen dem Unterhaltungsverband Fördermittel-bescheide von der Landesanstalt für Altlastenfreistellung vor, da diese Bestandteil des Förderprogramms "Gewährung von Zuwendungen für Maßnahmen zur Beseitigung oder Minderung von sowie Vorbeugung gegen Vernässung oder Erosion" sind. Für beide Abschnitte wurde die Höchstfördersumme von je 1 Mio. Euro beantragt, so dass das Land den Ausbau dieser beiden Abschnitte mit ca. 2 Mio. Euro Fördermittel unterstützt.

Hintergrund zur Hochwasser-Nachsorge

Während die Hochwasservorsorge – die Ertüchtigung der Deiche und Schutzanlagen – in die Zuständigkeit des Landes fällt, ist die Landeshauptstadt Magdeburg für die Hochwasser-Nachsorge zuständig. Ein Schwerpunkt ist dabei die Entwässerung der ostelbischen Stadtgebiete, wo durch hohe Grundwasserstände und Poldersituationen bei Hochwasser anhaltende Vernässungen auftreten, die privates und öffentliches Eigentum gefährden.

Eigens hierfür wurde ein Konzept entwickelt und die ersten Maßnahmen bereits umgesetzt, wie zum Beispiel der Ausbau des Grabensystems in Pechau (2006) und der Neubau des Zipkeleber Siels (2007) durch den UHV und den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. Der Ausbau des Furtlakengrabensystems wird ein weiterer wichtiger Baustein sein. Insgesamt werden 12 Millionen Euro in die Hochwasser-Nachsorge investiert.

Ein weiterer Schwerpunkt der Hochwasser-Nachsorge ist die Verbesserung der Erreichbarkeit der Deiche, damit in Gefahrensituationen Menschen und Material schnell an den Deich gebracht werden können. In den vergangenen Jahren wurden insgesamt neun Deichwege ausgebaut oder neu angelegt. Die Deichverteidigung ist somit deutlich einfacher geworden.


Pechau:

Baustart frühestens 2016

Der Baustart für den Pechauer Deich bleibt weiterhin unklar. Frühestens 2016 könne mit dem Beginn der Baumaßnahme am Umflutkanal gerechnet werden, erklärte Christian Jung vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) Sachsen­Anhalt. Der Fachmann sorgte nicht nur mit dieser Aussage für erhitzte Gemüter während einer Informationsveranstaltung in Pechau am Donnerstag. Auch eine Beräumung von Bewuchs in Stromelbe, Alter Elbe, Zollelbe und Umflut steht in den Sternen. Unter Berücksichtigung des Dresdner Gutachtens will der LHW zwar ein Arbeitspapier zu weiteren Pflegemaßnahmen erstellen, jedoch rechnet man mit der Fertigstellung nicht vor 2016/17, so Jung. Das Dresdner Gutachten belegt eine Pegelabsenkung von bis zu 70 Zentimeter für die Entfernung des Bewuchses im Bereich des Umflutkanals. Einfach die "Säge ansetzen und los" geht aber nicht. Die Flusslandschaft an dieser Stelle ist durch die Europäische Union als Fauna­ und Florahabitat geschützt. Der Pechauer Deich war neuralgischer Punkt bei der Flutkatastrophe 2013. Bei einem Deichbruch wären die ostelbischen Stadtteile geflutet worden. Nach dem Hochwasser 2013 hieß es noch vom LHW, dass der Deich so schnell wie möglich saniert werden soll. Anvisierter Baustart 2014. Doch im März vergangenen Jahres wurde der Baustart auf 2015 vertagt. Im November hatte Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) auf einer Bürgerversammlung in Cracau zudem noch versprochen, dass die Arbeiten am linken Umflutdeich bis 2017 abgeschlossen sein sollen. Das wird wohl nichts. Die Bauzeit soll immerhin drei Jahre betragen. Grund für die Verzögerung: Die bereits fertigen Deichbaupläne werden überarbeitet. Im Frühjahr 2014 war der LHW noch überzeugt, dass man die alten Pläne, die bereits vor der Juniflut 2013 erarbeitet wurden, beibehält. Das sorgte jedoch für reichlich Kritik unter den Anwohnern. LHW­Mitarbeiter André Pasemann machte damals bei einer Bürgerversammlung deutlich, dass eine Änderung der Deichpläne den Bau nur unnötig verzögern Frühestens 2016 beginnt die Deichsanierung.

Ende 2014 dann die Wende: Die Pläne für die Deichsanierung werden überarbeitet. Neue Erkenntnisse und Berechnungen aus dem Junihochwasser 2013 fließen in die Deichbaupläne ein. Nach wie vor sei aber geplant, einen Deichkontrollweg auf der Deichkrone in einer Breite von zwei Metern aus Bitumen sowie einen Deichverteidigungsweg von drei Metern unterhalb des Deiches anzulegen. In der Ortslage verzichtet man auf die klassische Deichbauweise, hier werden zukünftig Schutzwände in Spundbauweise für den notwendigen Hochwasserschutz sorgen.

Volksstimme 26.01.2015


Letzte Aktualisierung: 26.01.2015 15:49:31

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